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Dekonditionierung
Dekonditionierung ist ein Spiel mit den Möglichkeiten:
Jeder kann sich jederzeit anders entscheiden; alles kann anders
gesehen, anders dargestellt, anders mitgeteilt werden. Das bietet
die Möglichkeit, mit einem radikalen Ansatz Experimente zu
machen, die im wirklichen Leben desaströs sein könnten.
Dekonditionierung geht auf Versuche der experimentellen
Tanz- und Kunstkommune Exploding Galaxy / Transmedia Explorations
zurück, zu der 1969 auch Genesis P-Orridge gehörte (später
Throbbing Gristle). Sie hatten versucht, die Persönlichkeiten
ihrer Mitglieder im täglichen Leben durch ständig neu
angenommene Persönlichkeiten, wahllos getauschte Kleidung,
Aufgaben und Schlafplätze zu dekonditionieren, was bei einzelnen
Mitgliedern zu Persönlichkeitsstörungen führte.
Dekonditionierung will nicht die Persönlichkeiten der Darsteller
dekonditionieren, sondern unsere Annahmen über menschliches
Verhalten und menschliche Verständigung. An fünf aufeinander
folgenen Tagen wurden den Darstellern jeweils Regeln vorgegeben:
Höflichkeit, Macht, Menschentier, Psychose und Nähe. An
jedem Tag veränderte sich das Verhalten gegenüber der
Gruppe und sich selbst.
Die Grenzen zwischen Spiel und „wahrem
Leben“ waren fliessend: man kann wirklich den anderen verletzen
oder echte Spinnen essen, die man im Film später nicht sieht.
Wen bekommen wir hier zu sehen? Wenn sich die Regeln ändern,
bleibt die Persönlichkeit dann dieselbe? Einige der Mitspielenden
sind Schauspieler, andere nicht, aber alle sollten keine fremde
Person darstellen, sondern sich selbst unter fremden Regeln.
Das Skript gab den Darstellern vor, wie sie
miteinander kommunizierten – oder keine Verständigung
zustande bringen konnten - aber nicht, worüber. Der Inhalt
war der Improvisation überlassen, so wie die Darsteller auch
frei entscheiden konnten, wann sie den Raum und damit das Spiel
verlassen wollten.
An jedem Tag fanden sie sich in einem anderen
Raum, mit anderer Stimmung, anderen Möbeln, anderen Requisiten,
die mit der Regel des Tages verbunden waren. Alle Räume befanden
sich im Atelier Ost, einer alten Villa im Berliner Umland, deren
weitläufiger Park von der Berliner Mauer umschlossen wird.
Spielfilm, 125 min / Multi-Channel Videoinstallation,
HDV, Deutschland, 2008
www.antjemajewski.de
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